MKG Leipzig

Harte Nüsse.

Ein Weihnachtsgruß der MKG-Chirurgie am Universitätsklinikum Leipzig.

Erzgebirgische Präzision.

Seit dem 19. Jahrhundert werden im Erzgebirge Nussknacker gedrechselt, bis heute in Handarbeit. Das Prinzip ist dasselbe geblieben: ein Hebel, ein Scharnier, ein Unterkiefer. Ein Kiefer eben.

Hebel, Scharnier, Unterkiefer.

Ein Nussknacker funktioniert wie ein Kiefer: Der Hebel am Rücken übernimmt die Arbeit der Kaumuskulatur, das Scharnier die des Kiefergelenks.

Mund auf, Nuss rein.

Wird der Hebel angehoben, öffnet sich der Mund. Die Walnuss rutscht zwischen die Zähne, dann wird der Hebel heruntergedrückt.

Diesmal war die Nuss härter.

Statt der Schale gibt der Unterkiefer nach.

Für einen Nussknacker ist ein kaputter Kiefer meist das Ende.

Für unsere Patientinnen und Patienten nicht.

Nach Tumoroperationen oder schweren Verletzungen fehlen manchmal große Teile des Unterkiefers. Wir ersetzen sie durch körpereigenen Knochen, geplant am Computer, Schnitt für Schnitt.

Der Unterkiefer.

Ein gebogener Knochen, der die Zähne trägt, Kauen und Sprechen ermöglicht und dem unteren Gesicht seine Form gibt.

Von Kieferwinkel zu Kieferwinkel.

Nach einer Tumoroperation kann der gesamte Unterkieferkörper fehlen. Am Computer legen wir fest, wo gesägt wird und wie der Ersatz geformt sein muss.

Ersatz aus dem Wadenbein.

Die Fibula ist gerade, kräftig und trägt kaum Last. Wir entnehmen sie mitsamt ihren Blutgefäßen, damit der Knochen am Kiefer einheilt.

Keilförmig gesägt.

Drei Segmente, dazwischen schmale Keile, die entfernt werden. So lässt sich der gerade Knochen zum Kieferbogen formen.

Drei Segmente. Ein neuer Unterkiefer.

Fixiert und eingeheilt, gibt der Knochen aus dem Bein dem Gesicht seine Form zurück. Wie beim Nussknacker ist das Handarbeit: Jeder Kiefer ist anders, jede Rekonstruktion ein Einzelstück.

Sägelinien im Blick.

Wir arbeiten an einem volldigitalen Workflow für die Unterkieferrekonstruktion: Eine 3D-Brille zeigt die geplanten Sägelinien direkt im Sichtfeld, genau dort, wo gesägt wird. Deshalb lag Ihrer Karte eine Brille bei.

Zwei Farben, zwei Bilder.

Das rote Glas Ihrer Brille lässt nur das Bild für das linke Auge durch, das cyanfarbene nur das für das rechte. Ihr Gehirn setzt beides zu räumlicher Tiefe zusammen.

Im OP: Apple Vision Pro.

Dasselbe Prinzip in hoher Auflösung: ein Display pro Auge, dazu Kameras und Sensoren, die den Raum erfassen. Damit entwickeln wir einen Workflow, in dem die geplanten Sägelinien direkt auf dem Knochen erscheinen.

Für den Film reicht Ihre Pappbrille.

Rotes Glas links. Oben rechts lässt sich der 3D-Modus jederzeit wieder ausschalten.

Der Fall im Film.

So gehen wir heute routinemäßig vor: Jede Rekonstruktion wird virtuell geplant und mit selbst konstruierten, patientenindividuellen Schnittschablonen aus dem 3D-Drucker auf Unterkiefer und Fibula übertragen. Der volldigitale Workflow mit 3D-Brille ist der nächste Schritt.

Sie sehen die normale Fassung. Mit eingeschaltetem 3D-Modus läuft die Fassung für die Brille.

Harte Nüsse knacken wir gemeinsam.

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

manche Fälle sind harte Nüsse. Dass wir sie lösen können, verdanken wir auch Ihnen: Ihrem Vertrauen, Ihren Überweisungen und der guten Zusammenarbeit über das ganze Jahr. Dafür danken wir Ihnen herzlich.

Wir wünschen Ihnen und Ihrem Team frohe Weihnachten, erholsame Feiertage und ein gesundes Jahr 2027.

Ihr MKG-Team der Uni Leipzig